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UG02-Novelle Diskussionsarchiv

Ein Blog, das sich ursprünglich an die Belegschaftsvertretungen in den österreichischen Universitäten richtet, wird in Zeiten permanenter Hochschulreformen zur Top-Informationsquelle für alle, die sich mit Universitätspolitik und Mitbestimmung beschäftigen. Wie so etwas funktionieren kann, soll im weiteren exemplarisch erläutert werden. Die Hauptrolle dabei spielt das «UG2002-Novelle, Diskussionsarchiv» oder kurz UG02-Blog, dessen Gründer und treibende Kraft, Betriebsrat Karl Heimberger, zum Zeitpunkt des Starts des UG02-Blogs bereits das «MedUni Wien-Blog» betreibt. Dieses “Betriebsratsblog der Medizinischen Universität Wien” geht so wie das UG02-Blog weit darüber hinaus, nur ein Informationsportal für die Arbeitnehmer_innen einer Belegschaft zu sein und bietet Einblicke in Themen und Felder von gesamtgesellschaftlichem Interesse. Es wird eine Nebenrolle in diesem Bericht spielen.

#unibrennt und die Pressearbeit 2.0

Oktober 2009: Das Audimax der Universität Wien wird von Studierenden besetzt. #unibrennt, eine neue soziale Bewegung, ist geboren und dominiert mit Attributen wie «beispielloser Einsatz von Social Media» und «digitale Revolution» die Medien. Im September wird #unibrennt mit dem Prix Ars Electronica 2010 in der Kategorie “Digital Communities” ausgezeichnet. Die #unibrennt-Aktivist_innen setzen in ihrem Protest auf eine beispiellose Kombination aus modernen Kommunikationstechnologien und klassischer Medienarbeit.

Um auf das große Medieninteresse ab dem ersten Tag der Besetzung reagieren zu können, organisierten die Aktivist_innen eine Presseabteilung. Diese betreute nicht nur die Medienvertreter_innen vor Ort, sondern auch alle anderen Kommunikationskanäle: Social Networks, Website, E-Mail Account und Pressehandy. Web 2.0-Tools wurden sowohl für die interne als auch die externe Kommunikation genutzt.

Strukturen der Meinungsmache sichtbar machen

Stichwort Gegenöffentlichkeit. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis des aktuellen Jahrbuchs reicht aus, um den Nachdenkseiten attestieren zu können: Auf ihnen wird Gegenöffentlichkeit hergestellt. In einem NDS-Posting vom 12.02.2010 heißt es: «Die Strukturen der Meinungsmache sichtbar zu machen, war in der Tat der Grundgedanke bei der Gründung der NachDenkSeiten.» Bekommt man “Gegenöffentlichkeit” heute einfacher hergestellt als das zur Zeit der Alternativ-Zeitungen und Piratensender der Fall war?

Ja und nein. Im Unterschied zum Internet sind alternative Zeitungen oder gar Sender teuer und Druckschriften sind langsam und müssen verteilt werden. Ihre Verbreitung ist gegenüber den großen Massenmedien mit deren eigenem Vertrieb begrenzt – das gilt selbst für die “taz” oder für die alteingesessenen “Blätter für deutsche und internationale Politik”.
Paul Sethe, der Ressortchef der Springer-Zeitung “Die Welt”, sagte schon 1965: «Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.» Das Internet hat diese Plutokratie der Meinungsmacht gesprengt.