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fluegel.tv

Der Widerstand gegen S21 verändert Stuttgart unumkehrbar. Das wird bleiben. Ob S21 nun jemals fertig gebaut werden wird oder nicht. Wir sind selbst Teil dieser Veränderungen geworden. Angefangen hat das Anfang August 2010 mit der spontanen Eingebung von Robert, seine Büro-Webcam in das Fenster zu stellen und in die Richtung auf den Stuttgarter Hauptbahnhof zu drehen. Die Webcam beginnt das heftig umstrittene Geschehen vor Ort zu dokumentieren und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Webcam blickt auf den Nordflügel des Bahnhofs, der zu diesem Zeitpunkt gerade mit einem Bauzaun versehen wird. Dieser Nordflügel soll heftigsten Bürgerprotesten zum Trotz abgerissen werden. An seiner Stelle will die Deutsche Bahn das lang geplante und ebenso lange umstrittenen Bahnprojekt «Stuttgart 21» (S21) realisieren: ein prestigeträchtiger unterirdischer Eisenbahnknoten mitten in Stuttgart.

Das Interesse an den Live-Bildern ist enorm: Zu Spitzenzeiten schalten sich bis zu 500.000 Zuseher aus sämtlichen Regionen der Erde zu, darunter viele Exil-Stuttgarter. Der Internet-Sender «fluegel.tv» ist geboren – und wächst rasch zu einem Sprachrohr der zivilen Protestbewegung gegen Stuttgart 21. In den Büroräumlichkeiten von Robert Schrems Multi-Media-Agentur gehen in den folgenden Monaten rund 20 Mitwirkende aus und ein, die alle zusammen das engagierte ehrenamtliche Projekt am Leben erhalten. Fluegel.tv wird zu einem Sprachrohr der Protestbewegung.

Social Media als Türöffner – wohin? Und für wen?

Was denken, was glauben Christinnen und Christen? Welche Themen bewegen sie? Was begeistert sie und was macht sie wütend? Die Katholische Aktion Oberösterreich entwickelt seit 2009 neue Kommunikationsräume im Social Web, sie zeigt und lebt, «Kirche 2.0 hat längst schon begonnen». Es sind engagierte Christ_innen, die am ThemaTisch bloggen, die einander auf Kirchen-Barcamps treffen, die für ihre Anliegen selbst Kampagnen organisieren – eine breite «Allianz für den freien Sonntag» etwa hat sich auf und über Facebook gebildet -, und die twitternd Gespräche mit anderen über Gott und die Welt führen. Im Sinne dieser Kirche 2.0 ist Social Media ein Türöffner für neue Kommunikationsräume. Die vorrangige Frage darf nicht sein «Was kann das Internet für die Kirche tun?», sondern umgekehrt, «Was kann die Kirche für das Internet tun?». Dazu gibt es einige Erfahrungen zu teilen, die im Umfeld der katholischen Aktion im Einsatz der Social Media gemacht haben.

#unibrennt und die Pressearbeit 2.0

Oktober 2009: Das Audimax der Universität Wien wird von Studierenden besetzt. #unibrennt, eine neue soziale Bewegung, ist geboren und dominiert mit Attributen wie «beispielloser Einsatz von Social Media» und «digitale Revolution» die Medien. Im September wird #unibrennt mit dem Prix Ars Electronica 2010 in der Kategorie “Digital Communities” ausgezeichnet. Die #unibrennt-Aktivist_innen setzen in ihrem Protest auf eine beispiellose Kombination aus modernen Kommunikationstechnologien und klassischer Medienarbeit.

Um auf das große Medieninteresse ab dem ersten Tag der Besetzung reagieren zu können, organisierten die Aktivist_innen eine Presseabteilung. Diese betreute nicht nur die Medienvertreter_innen vor Ort, sondern auch alle anderen Kommunikationskanäle: Social Networks, Website, E-Mail Account und Pressehandy. Web 2.0-Tools wurden sowohl für die interne als auch die externe Kommunikation genutzt.

Yes, WE can!

Der Kandidat war Außenseiter im Parteiapparat, eingespielte Hilfstruppen hatte er keine und seine Kriegskasse war so leer wie eine Disco am frühen Nachmittag. Kaum jemand hätte 2007 darauf gewettet, dass Barack Obama die Vorausscheidung der Demokraten für die Präsidentenwahl 2008 gewinnen und US-Präsident werden könnte. Aber seit er mit einer grandiosen Kampagne – und nicht zuletzt einer durch das Internet orchestrierten Graswurzelbewegung – ins Weiße Haus gespült wurde, gilt er als Vorbild für alle politischen Web 2.0-Kampagnen.

Natürlich ist der Fall Obama ein Phänomen, das nicht einfach kopiert werden kann: Der Kandidat ein Charismatiker, zudem sehnte sich das Land nach den bleiernen Bush-Jahren nach einem “Change”, eine ganze Generation brannte auf einen progressiven Neubeginn. Das kommt nicht alle Jahre vor. Aber lernen kann man von der Obama-Kampagne dennoch einiges.

Fallbeispiele

In diesem Kapitel findest du Berichte zivilgesellschaftlicher Auseinandersetzungen und politischer Arbeit. Die Bandbreite reicht von spontanen, lokalen Initiativen über Protestbewegungen bis hin zu etablierten, großen Institutionen auf neuen Wegen. Die ersten vier Erzählungen berichten von spontanen Protesten, von der irgendwann dringend werdenden Notwendigkeit, sich zu wehren und Widerstand zu organisieren: 1 Das Annalist-Blog, 2 eine […]